Die fünf Pflegegrade

In Zukunft werden körperliche, geistige und psychische Einschränkungen gleichermaßen erfasst und in die Einstufung einbezogen. Mit der Begutachtung wird der Grad der Selbständigkeit in sechs verschiedenen Bereichen gemessen und - mit unterschiedlicher Gewichtung - zu einer Gesamtbewertung zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Einstufung in einen Pflegegrad.
Die sechs Bereiche sind:
  1. Mobilität (10%)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (*)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (*)
  4. Selbstversorgung (40%)
  5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (20%)
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte (15%)
  (* Aus dem Bereich 2 und 3 wird nur der höhere der beiden Werte berücksichtigt und mit 15% gewertet)

Umrechnung von Pflegestufe in Pflegegrad
Die Unterstützung setzt künftig deutlich früher an. In Pflegegrad 1 werden Menschen eingestuft, die noch keinen erheblichen Unterstützungsbedarf haben, aber zum Beispiel eine Pflegeberatung, eine Anpassung des Wohnumfeldes oder Leistungen der allgemeinen Betreuung benötigen. Somit wird der Kreis der Menschen, die erstmals Leistungen der Pflegeversicherung bekommen, deutlich erweitert.

Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. So wird für die Betroffenen unnötiger zusätzlicher Aufwand vermieden. Dabei gilt: Alle, die bereits Leistungen von der Pflegeversicherung bekommen, erhalten diese auch weiterhin mindestens in gleichem Umfang, die allermeisten sogar mehr.
Konkret gilt die Formel: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet.

(Beispiele: Pflegestufe I wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe III wird in Pflegegrad 4 übergeleitet).
Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad.
(Beispiel: Pflegestufe 0 wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in Pflegegrad 4
übergeleitet.)
 

Welche Leistungen kann ich erwarten?

Geldleistung

Pflege wird durch Angehörige, Bekannte ... sichergestellt.

Über die Sicherstellung ist ein Nachweis zu erbringen.

    Pflegegrad 2 + 3 alle 6 Monate

    Pflegegrad 4 + 5 alle 3 Monate

 

Geldleistung

Pflegegrad 2

Pflegegrad 3

Pflegegrad 4

Pflegegrad 5

Seit 1.1.2017

316 €

545 €

728 €

901 €

Sachleistung

Pflege wird durch einen anerkannten professionellen Pflegedienst sichergestellt.

 

Sachleistung

Pflegegrad 2

Pflegegrad 3

Pflegegrad 4

Pflegegrad 5

Seit 1.1.2017

689 €

1298 €

1612 €

1995 €

Kombinierte Sachleistung

prozentuale Auszahlung von Pflegegeld bei nicht Ausschöpfung des stufenabhängigen Höchstbetrages.

Beispiel

Versicherter ist in Pflegegrad 4 und hat Anspruch auf bis zu 1612 Euro Sachleistung
pro Monat. Vom Pflegedienst ruft er jedoch nur Leistungen in Höhe von 1128,40 Euro
pro Monat ab.
Verbrauch:  1128,40 Euro von 1612 Euro   =  70%
Demnach sind 30% der Sachleistung nicht verbraucht.
Versicherter bekommt 30% von der ihm zustehenden Geldleistung (728 €) ausbezahlt. Dies entspricht 218,40 €.

Pflegegradunabhängige Leistungen:

> 40,00 Euro pro Monat für Pflegemittel (§40 SGB XI)

> bis zu 1612 Euro Verhinderungspflege pro Jahr, kann mit 50% der nicht in Anspruch genommenen Kurzzeitpflege (806€) erhöht werden (§39 SGB XI).

> bis zu 1612 Euro Kurzzeitpflege pro Jahr (§42 SGB XI)

> bis zu 4000 Euro Bezuschussung für wohnliche Umbaumaßnahmen pro Jahr und Maßnahme

> bis zu 125 Euro für vermehrten Betreuungsbedarf pro Monat (§45 SGB XI)